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WR, 14.10.2006, Text: Nadine Albach
 

Christian Psyk kann sich die Zeitreise-Wand von Gudrun Kattke bei jedem Wetter anschauen - mit der Brille!

WR-Bild: Völkel

kunsthorten" startet heute bis zum 24. Oktober neues Projekt in Containern - Thema: Reisen

Augen zu - und ab zur fernen Wärme

Anschnallen ist wohl nicht nötig. Aber zurücklehnen, tief durchatmen und möglichst die Augen schließen wäre hilfreich, wenn die Reise losgeht. Im Flugcontainer, der so wie die ganze „Fernwärme"-Ausstellung auf dem Reinoldikirchplatz von heute bis zum 24. Oktober in andere Welten entführt.

„Reisen kann man auf viele Arten: Im Kopf, in Gedanken, in der Welt...", sagt Christian Psyk, der gemeinsam mit Silvia Liebig und Susanne Henning von „kunsthorten" die „Fernwärme"-Schau organisiert hat. Er steht inmitten der goldgelben Container, in denen diverse Künstler noch hämmern, kleben, aufstellen, was ihnen zu dem Thema eingefallen ist.
Thomas Autering kann dem entspannt zusehen. Seine Bilder mit dem Titel „Reisedokumente einer missglückten Mondlandung" hängen bereits. Schwarz-weiß sind sie, mit ausgerissenen Papergesichtern deren Augen durch Kreuzehen ersetzt sind; ein Bild erinnert an kindlich papierene drei Grazien mit Gasmasken. Apollo 13 war Vorbild seiner szenischen Miniaturen - er hat den damaligen Ablauf noch einmal recherchiert, um diese Reise der besonderen Art „humorvoll" und bewusst „naiv-dümmlich" umzusetzen.
Noch ein wenig zu tun hat Susanne Henning, die einer türkischen Freundin sozusagen die Einrichtung geklaut hat: Die nämlich richtete sich in einem deutschen Schrebergarten-Häuschen eine türkische Oase ein.„ Da habe ich so viel Sehnsucht nach Heimat gespürt", erklärt Henning den Bezug zur Fernwärme. Teppiche, einen kleinen Tisch und die Original-Häkeldecke von Oma hat sie nun im Container aufgebaut, zudem eine Soundcollage über ihre Gedanken zu Anatolien erstellt. Und ab Montag fertigt sie türkische Backwaren. Die Heimat in der Ferne, der Bezug zu einfachen Dingen wie Grundnahrungsmitteln.
Soziale Härte schwingt bei dem kleinen Raum mit, den Thomas Wucherpfennig gestaltet: Unter die Decke hat er das deutsche Einwanderungsgesetz geklebt, auf den Boden die Genfer Konvention - unddazwischen unzählige Asylanträge. Passend zum parallel laufenden • Armutsprojekt „Arm in Arm" der Kooperationspartner AWO und Vereinigte Kirchenkreise Dortmund.
Zu einer inneren Reise derweil lädt der „OnAirone Way"-Flugcontainer von den beiden Dortmundern Richard Ortmann und Ralf R. Wassermann ein: Vier echte Flugzeugsitze mit Kopfhörern führen zu vier verschiedenen Destinationen.